Geschichte der Appenzeller Bahnen

Im Rahmen einer Fusion der appenzellischen Bahnen nämlich der Trogenerbahn, der Rorschach-Heiden-Bergbahn, der Bergbahn Rheineck-Walzenhausen und der ehemaligen Appenzeller Bahnen entstanden im Sommer 2006 die neuen Appenzeller Bahnen. Das erst junge Unternehmen sieht auf eine bewegte Vergangenheit zurück.



 

Chronologie der Fertigstellung der Bahnlinien

1875 Eröffnung Rorschach-Heiden-Bergbahn (RHB)
1875 Eröffnung Linie Winkeln-Herisau-Urnäsch (Appenzellerbahn)
1886 Urnäsch-Appenzell (Appenzellerbahn)
1889 St.Gallen-Teufen-Gais (Gaiserbahn)
1896 Rheineck-Walzenhausen-Bergbahn (RhW)
1903 St.Gallen-Speicher-Trogen (TB)
1904 Gais-Appenzell (SGA)
1911 Linie Gais-Stoss-Altstätten (AG)
1912 Eröffnung Appenzell-Wasserauen (Säntisbahn)
1913 Eröffnung Gossau-Herisau (Appenzellerbahn), gleichzeitige Einstellung Strecke Winkeln-Herisau
1930 Elektrifizierung Linie Rorschach-Heiden
1931 Elektrifizierung Linie Appenzell-St.Gallen
1933 Elektrifizierung Linie Appenzell-Gossau
1958 Elektrifizierung Linie Rheineck-Walzenhausen
1966-1988      Entfernung der Zahnstangenabschnitte (Ausnahme Ruckhalde)
1947 Fusion Appenzellerbahn + Säntisbahn zur Appenzellerbahn
1948 Fusion SGA und AG zur SGA
1988 Fusion der SGA und Appenzellerbahn zu der Aktiengesellschaft APPENZELLER BAHNEN
2006 Fusion AB, RHB, RhW und TB zu den heutigen Appenzeller Bahnen AG

 



 

Linie Gossau-Appenzell-Wasserauen

Eröffnung der Bahnen:  
Winkeln-Herisau-Urnäsch (Appenzellerbahn) 12.04./20.09.1875
Urnäsch-Appenzell (Appenzellerbahn) 16.08./20.10.1886
Appenzell-Wasserauen (Säntisbahn) 13.07.1912
Gossau-Herisau (Appenzellerbahn) 01.10.1913
   
Elektrifiaktion 1933
Streckenlänge 32'100 m
Höhendifferenz 234 m
Spurweite 1'000 mm
Stromsystem 1'500 V
Max. Steigung 37


Winkeln-Herisau-Urnäsch-Appenzell

Nach schwierigen Vorverhandlungen und der Entscheidung zwischen Gossau-Herisau oder Winkeln-Herisau wurde am 5. Januar 1874 der Bau der Teilstrecke Winkeln-Herisau begonnen. Vom Verwaltungsrat der "Schweizerischen Gesellschaft für Localbahnen" wurde vorgeschlagen, dass die Bahn aus Renditegründen nach Urnäsch und Appenzell weitergeführt werden soll - was auf lebhafte Zustimmung aus dem inneren Landesteil traf. Am 1. November 1874 konnte auch mit dem Bau des Abschnittes Herisau-Urnäsch begonnen werden.

Die erste Teilstrecke konnte nach einer Bauzeit von nur dreiviertel Jahren eröffnet werden. In bescheidenem Rahmen wurde am 12. April der Betrieb auf der Strecke Winkeln-Herisau aufgenommen. Im Gegensatz dazu wurde am 20. September 1875 die Strecke Herisau-Urnäsch mit einem grossen Volksfest eingeweiht.

Schon im ersten Jahr hatte die Bahn mit harten Zeiten zu kämpfen. Ausserordentlich schwere Gewitterregen im Frühsommer verursachten schwerwiegende Betriebsunterbrüche. Ein Dammrutsch führte zu einer mehrwöchigen Einstellung des Betriebes: vom 10. Juni 1876 fuhr keine Bahn auf der ganzen Strecke. Nach 20 Tagen konnte der Betrieb von Herisau nach Urnäsch wieder aufgenommen werden, doch die Teilstrecke nach Winkeln blieb bis zum 16. Juli gesperrt. Auch weitere Dammrutsche führten im Jahre 1881 zu 66-tägigen Unterbrüchen des Bahnbetriebs.

Nach schwierigen Verhandlungen wurde entschieden, dass die Strecke Urnäsch-Appenzell nicht über Hundwil-Stein-Haslen verlaufen sollte, sondern über Gontenbad. Trotz weiteren Dammrutschen während der Bauphase konnte am 16. August 1886 der fahrplanmässige Verkehr von Urnäsch nach Gontenbad aufgenommen werden. Noch im gleichen Jahr, am 28. Oktober, wurde die Strecke bis Appenzell mit einem Fest eröffnet.

Säntisbahn

Bereits im 19. Jahrhundert war das Alpsteingebiet ein beliebtes Ausflugsgebiet. Als im Jahre 1886 die Appenzellerbahn nach Appenzell gebaut wurde, reichte eine Gruppe um Landammann C. Sonderegger eine Konzession für eine schmalspurige Eisenbahn ein. Diese sollte von Appenzell nach Wagenlücke führen. Obwohl die Konzession erteilt wurde, geriet das Projekt infolge Finazierungsschwierigkeiten ins Stocken und die Konzession erhielt mehrere Fristerstreckungen.

Ende 1899 wurde erneut eine Konzession für eine elektrische Strassenbahn von Appenzell nach Wasserauen erteilt, unter der Bedingung, den Bau der Linie bis November 1900 zu vollenden. Die Konzession verfiel erneut, da der Bau trotz Fristerstreckung nicht begonnen werden konnte.

Doch C. Sonderegger gab nicht auf, er versuchte erneut eine Konzession zu erhalten. Dieses Mal für zwei Bahnen: eine Talbahn von Appenzell nach Wasserauen und eine Bergbahn von Wasserauen zum Säntis. Doch wieder kam es aus verschiedenen Gründen nicht zur Ausführung.

Es erfolgte eine erneute Konzessionsänderung und die Bahn wurde in vier Abschnitte unterteilt: Appenzell-Wasserauen, Wasserauen-Seealp, Seealp-Meglisalp und Meglisalp-Säntis.

1911 konnte mit dem Bau der ersten Teilstrecke der geplanten Bergbahn, Appenzell-Wasserauen, begonnen werden und am 13. Juli 1912 wurde der Abschnitt eröffnet. Rückblickend hat es von der ersten Konzession bis zur Eröffnung 25 Jahre gedauert.

Der Weiterbau der Bergbahn bis zum Gipfel wurde durch den Ersten Weltkrieg und den damit verbundenen Rückgang der Einnahmen verhindert. Im Jahre 1939 wurde die Säntis-Bahn, die den Säntis nie erreichte, in die Appenzell-Weissbad-Wasserauen-Bahn (AWW) umbenannt.

Gossau-Herisau

1907 wurde das Konzessionsgesuch der Appenzellerbahn-Gesellschaft (ehemalige Schweizerische Gesellschaft für Localbahnen) für die verlängerte Bahnlinie von Herisau nach Gossau bewilligt. Auch nachdem im Jahre 1910 die Strecke Romanshorn-St.Gallen-Herisau-Wattwil von der Bodensee-Toggenburg-Bahn eröffnet wurde, verlor die Appenzellerbahn-Strecke Herisau-Winkeln immer mehr an Attraktivität.

Am 1. Oktober 1913 wurde die Linie nach Gossau aufgenommen und damit konnten die Anschlüsse an die Schnellzüge der schweizerischen West-Ost-Transversalen gesichert werden. Zweitgleich wurde der Betrieb nach Winkeln eingestellt.

Die Appenzellerbahn wurde im Jahre 1933 auf 1550 V Gleichstrom elektrifiziert.

Am 1. Januar 1947 fusionierten die Appenzellerbahnen und die Appenzell-Weissbad-Wasserauen-Bahn zur Appenzellerbahn.



 

Linie St.Gallen-Appenzell

Eröffnung der Bahn  01.10.1889
Elektrifikation 23.01.1931
Streckenlänge 20'003 m
Adhäsionsstrecke 19'063 m
Zahnstangenstrecke 940 m
Höhendifferenz 116 m
Spurweite 1'000 mm
Stromsystem 1'500 V
Max. Steigung 100
Zahnstangensystem Riggenbach / Strub


1856 wurde die normalspurige Linie Winterhur-St.Gallen-Rorschach der St.Gallisch-Appenzellischen Eisenbahngesellschaft eröffnet, welche später durch die SBB betrieben wurde. In den Folgejahren baute das Streckenetz permanent aus. Auch im Appenzellerland wuchs das Interesse am neuen Verkehrsmittel. Nach der Eröffnung der Linie Urnäsch-Appenzell im Jahre 1886, wurde die Appenzeller-Strassenbahn-Gesellschaft (SGA) ins Leben gerufen. Es waren hauptsächlich drei Kräfte, welche das Projekt verfolgten und verwirklichten: Zum einen die mittelländischen Gemeinden Teufen, Bühler und Gais unterstützt von St.Gallen, ebenso die Vereinigte Schwerzerbahnen (VSB) und der Sachse Adolf Klose, welcher die Päne für die Lokomotiven gezeichnet hatte. Herr Klose wird bis heute der "technische Vater" der Gaiserbahn genannt.

Die neue Linie wurde am 1. Oktober 1889 feierlich eröffnet. Von St.Gallen bis Gais waren die Häuser reich beflaggt und die Strassen mit Girlanden beschmückt, sogar die Geschäfte wurden in drei mittelländischen Dörfern geschlossen. Bereits am ersten Tag nach der Eröffnung zeichnete sich eine Zusammenarbeit mit der Appenzeller Bahn ab, indem ein Rundfahrtenbillett Herisau-Winkeln-St.Gallen-Gais und ab Appenzell-Urnäsch-Herisau zum Preis von CHF 2.95 verkauft wurde (von Gais-Appenzell musste man jedoch zu Fuss gehen).

Schon im ersten Jahr gelangte das Begehren um eine Weiterführung der Linie bis Appenzell oder sogar nach Wasserauen und die Appenzeller Strassenbahn (Ast, im Volksmund Gaiserbahn). Im Jahre 1904 konnte die Linie bis nach Appenzell ausgebaut werden.

Nach langen Diskussionen wurde eine Elektrifizierung unumgänglich. Am 20. März 1929 fasste der Verwaltungsrat den Beschluss zur Elektrifikation, der dann im gleichen Jahr von der Generalversammlung einstimmig genehmigt wurde.

Am 1. Januar 1948 fusionierte die St.Gallen-Gais-Appenzell-Bahn (SGA) mt der Altstätten-Gais-Bahn (AG) zur SGA. Rund 40 Jahre später kam es zur Fusion zwischen der SGA und der AB zur neuen Aktiengesellschaft APPENZELLER BAHNEN.

Die Zahnstangenabschnitte waren in einem derart schlechten Zustand, dass sie in den Jahren 1966-1988 aufgehoben wurden. Einzig der Streckenabschnitt der Ruckhalde ist heute noch vorhanden.



 

Linie Altstätten-Gais

Eröffnung der Bahn 17.11.1911
Elektrifikation seit Betriebseröffnung
Streckenlänge 7'656 m
Adhäsionsstrecke 4'392 m
Zahnstangenstrecke 3'264 m
Höhendifferenz 450 m
Spurweite 1'000 mm
Stromsystem 1'500 V
Max. Steigung

160

Zahnstangensystem Strub

Schon Jahrhunderte vor der Verwirklichung dieser Schienenverbindung bestand zwischen dem St.Galler Rheintal und dem appenzellischen Grenzgemeinden ein reger Personen- und Warenverkehr über den ehemaligen Saumweg. Für das Appenzeller Mittelland, speziell für Gais, war die Stadt Altstätten (Rheintal) als Marktort von besonderer Bedeutung. Der Saumweg wurde später durch ein Machtwort Napoleons I. zur heutigen Alten Stossstrasse ausgebaut, was den Einsatz von Postkutschen ermöglichte. Diese benötigten für den Weg von Altstätten nach Gais rund 2 Stunden.

Als die Appenzeller Strassenbahn und die Trogenerbahn das Appenzellerland verkehrstechnisch an die Stadt St.Gallen banden, bangte man im Rheintal um die zentrale Stellung des Marktstädtchens. In der Folge sammelten sich bereits 1905 verschiedene Kräfte, welche sich für die Realisierung einer Eisenbahnlinie stark machten.

Am 16. Dezember 1903 wurde an der konstituierenden Generalversammlung dem damaligen Verwaltungsrat, die Vollmacht erteilt, den Bau der Bahn zur Ausführung zu bringen, wobei die Linienführung, welche ursprünglich bis zum Bahnhof SBB führte, nicht nur der Touristenverkehr, sondern auch weitgehend der Lokalverkehr berücksichtigt wurde. Da zwischen Altstätten und Stoss Neigungen von bis zu 160 überwinden waren, entschied man sich dafür, auf diesem Streckenteil Strub'sche Zahnstangen einzubauen. Die Bahn wurde von Anfang an elektrisch und mit 1'000 Volt Gleichstrom betrieben. Bei den ersten Fahrzeugen handelte es sich um dreiachsige Triebwagen mit getrennten Adhäsions- und Zahnradantrieben.

Drei Tage nach der Eröffnungsfeier wurde der Betrieb auf der Linie Altstätten-Gais offiziell am 17. November 1911 aufgenommen. Die Betriebsführung wurde bis zur Fusion mit der St.Gallen-Gais-Appenzell Bahn am 1. Januar 1948, der Elektrischen Bahn Altstätten-Berneck übertragen. Die neue Bezeichnung lautete nun St.Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn. Nachdem die beiden Linien technisch vereinheitlicht wurden, erstellte man in Altstätten ein praktisch neues Stationsgebäude. 1975 wurde der Abschnitt Altstätten Stadt bis SBB-Bahnhof aus verkehrstechnischen Gründen auf Autobusbetrieb umgestellt. Spätere Fusionen folgten in den Jahren 1989 und 2006 zu den heutigen Appenzeller Bahnen.

 

 

 



 

Linie St.Gallen-Trogen

Eröffnung der Bahn 10.07.1903
Elektrifikation seit Betriebseröffnung
Streckenlänge 9'800 m
Höhendifferenz 330 m
Spurweite 1'000 mm
Stromsystem 1'000 V / 600 V
Max. Steigung

76

In den führenden Industrieorten Speicher und Trogen erwachte Ende des 18. Jahrhunderts erstmals der Wunsch nach einer besseren Verbindung nach St.Gallen, die bis dahin durch wenige Postkutschen besorgt wurde. An einer Versammlung in Teufen im Jahre 1872 besprach man erstmals die Möglichkeiten für eine solche Verbindung, doch den Einwohnern gefielen die Vorschläge über Haggen-Teufen nicht; sie wünschten sich eine kürzere Fahrzeit ins nahegelegende Städtchen. Nach langen Verhandlungsphasen und verschiedenen erfolglosen Versuchen wurde im Mai 1900 der Bahnbau endlich gesichert.

Am 26. Juli 1901 fand in Trogen die erste konstituierende Generalversammlung statt, worauf die Pläne nochmals gründlich überarbeitet wurden.

Zwei Tage vor den grossen Festlichkeiten in Speicher zur Feier des 500. Jahrestages der Schlacht bei Vögelinsegg, wurde der Bahnbetrieb am 10. Juli 1903 eröffnet. Am 14. Oktober im gleichen Jahr wurde der Güterverkehr auf der Linie St.Gallen-Speicher-Trogen aufgenommen. Aufgrund des regen Zuspruchs wurde am 20. Juni 1906 ein fünfter Motorwagen mit zwei zusätzlichen Anhängewagen angeschafft, womit das Platzangebot beinahe verdoppelt wurde.

Vom Bahnhof bis zum Brühltor benützte die Trogenerbahn die Geleise der städtischen Trambahn. Aus diesem Grund fuhr sie anfangs mit zwei verschiedenen Betriebsspannungen. Mitten auf der Steilstrecke bei der Haltestelle Schülerhaus verliefen die Fahrdrähte mit den unterschiedlichen Spannungen ein Stück parallel damit die Trolleys der Triebwagen auf die andere Fahrleitung umgelegt werden konnten. Mangels Frequenzen wurde die Tramlinie auf eine andere Strecke verlegt.

Mit einer Steigung von bis zu 76 ist die Trogenerbahn die steilste schmalspurige Adhäsionsbahn in der Schweiz.



 

Rorschach-Heiden-Bergbahn

Eröffnung der Bahn 06.09.1875
Elektrifikation 15.05.1930
Streckenlänge 5'686 m
Adhäsionsstrecke 210 m
Zahnstangenstrecke 5'476 m
Höhendifferenz 396 m
Spurweite 1'435 mm
Stromsystem 15 kV 16.7 Hz
Max. Steigung 93.6
Zahnstangensystem Riggenbach

1871 bemüht sich der aufblühende Kurort Heiden um eine Bahnverbindung zur Handels- und Hafenstadt Rorschach am Bodensee. Die beigezogenen Eisenbahningenieure Riggenbach und Zschokke raten zu einem Zahnradprojekt mit Normalspur. Nachdem die Finanzierung gesichert ist, kann anfangs Mai 1874 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Zwei grössere Schwierigkeiten bieten sich mit dem Felsschnitt im Kreienwald und der grossen Auffüllung des Heidener Tobels. Trotz des strengen Winters 1874/75 schreiteten die Bauarbeiten für die neue Bahnlinie mit wenigen Unterbrüchen voran. Bei der Frage, ob die Rorschach-Heiden-Bergbahn mittels Eigenbetrieb oder Verpachtung geführt wird, entscheidet man sich aufgrund der hohen Kosten auf den Eigenbetrieb, während man die Leitung und die Ausführung des Maschinendienstes den Vereinigten Schweizer Bahnen (VSB) überschreibt.

Die sechs Kilometer lange Strecke wurde am 3. September 1875 mit einem grossen Festakt eröffnet und nahm drei Tage später anfänglich den Betrieb mit drei Dampflokomotiven und sechs Personenwagen auf.

Leider sieht die RHB anfangs keiner unbeschwerten Zukunft entgegen. Nach einer Reihe von Unglücken und einer kurzen Einstellung des Betriebes, kann die RHB wieder ein wenig Fuss fassen und beginnt im Jahre 1887 mit der Sanierung. In den kommenden Jahren geht es mit der Rorschach-Heiden-Bergbahn langsam aufwärts. Im Juni 1900 kann eine neue Lokomotive in Betrieb genommen werden, während dessen die alten Lokomotiven neu ausgestattet werden. In den folgenden Jahren fand eine erfreuliche Entwicklung des Reiseverkehrs statt und es wurde gar eine Erweiterung der Linie bis Trogen diskutiert, welche jedoch wegen verschiedener Schwierigkeiten nicht umgesetzt werden konnte.

Während den Kriegsjahren wurde der Aufschwung der Bahn zunichte gemacht. Dank der Ersparnisse des Betriebes und der Tatsache, dass die Linie für Lebensmitteltransporte genutzt wurde, hielt sich die RHB über Wasser. Als die Inflation überstanden ist, kam es zu einer wesentlichen Entspannung der Situation.

Der nächste wichtige Meilenstein in der Geschichte der RHB ist die Elektrifizierung, welche am 15. Mai 1930 mit dem Fahrplanwechsel eingeführt wird.

In all den Jahren verkehrten auf dem Schienennetz der RHB einige sehr spezielle Fahrzeuge. Bis 1930 zum Beispiel doppelstöckige Aussichtswagen, ab 1910 für kurze Zeit ein Motorwagen oder 1938 ein Eigenbau, der "Rote Pfeil".

 

 



 

Linie Rheineck-Walzenhausen

Eröffnung der Bahn 27.06.1896
Elektrifikation 01.12.1985
Streckenlänge 1'964 m
Adhäsionsstrecke 709 m
Zahnstangenstrecke 1'255 m
Höhendifferenz 272 m
Spurweite 1'200 mm
Stromsystem 600 V
Max. Steigung 253
Zahnstangensystem Riggenbach / Lamellen

1870 verzeichnete der Kurort Walzenhausen im Appenzellerland über dem Bodensee eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte. Die maschinelle Hand- und Kettenstickerei florierte und der Tourismus nahm stetig zu. Ursprünglich wurde eine Bahnverbindung von Walzenhausen nach Heiden geprüft, als bessere Alternative erwies sich aber der Ausbau der Linie ins Rheintal nach Rheineck.

Am 17. Dezember 1894 fand die konstitutionierende Versammlung der Bergbahngesellschaft statt. Die Finanzierung zum Bau der Bahn erwies sich aber schwieriger als vorgestellt. Mit Hilfe von privaten Geldgebern, St.Galler Fabriken und der St.Gallischen Kantonalbank liess sich schliesslich das benötigte Aktien- und Obligationskapital sichern.

Nach der schwierigen Finazierungsphase wurde der Bau der Linie am 16. April 1895 in Angriff genommen und noch im gleichen Jahr im September konnte der Durchbruch des unteren, 315 m langen Tunnels gefeiert werden. Auch der obere, 70 m lange Tunnel unter dem Kurhaus Walzenhausen wurde vorangetrieben. Eine 153 Meter lange Eisenkonstruktion ermöglichte schliesslich die Fahrt über das romantische Hexenkirchlitobel.

Als unermüdlicher Förderer weihte der Regierungsrat Titus Rohner am 25. Juni 1896 die Berbahn Rheineck-Walzenhausen mit folgenden Worten ein: "Die Rheineck-Walzenhausen-Drahtseilbahn ist für das gewerbsame und schön gelegene Städtchen Rheineck von grosser Bedeutung. Ganz besonders aber ist der Tag für Walzenhausen mit seiner bedeutenden Industrie ein Ereignis, das für die fernere wirtschaftliche Entwicklung dieser Gemeinde von grosser Bedeutung sein wird."

Bereits zwei Tage später wurde der fahrplanmässige Betrieb auf dieser Linie aufgenommen.

Da die Bahn ursprünglich auf der schnurgeraden Strecke mit einer Steigung von 174 und 260 mit dem sogenannten Wassergegengewicht-System betrieben wurde, musste die Kreuzungsstelle genau in der Mitte der Strecke liegen. Daher konnte die Bahn anfänglich nur bis Ruderbach verkehren.

Im Jahre 1909 erfolgte die Weiterführung der Strecke bis zum Bahnhof Rheineck. Darauf hin wurden zwischen Ruderbach und Rheineck ein Benzin- und ein mit elektrischer Energie betriebener Tramwagen eingesetzt.

In der Folge der Elektrifikation der ganzen Linie wurden am 1. Dezember 1958 die wasserbetriebenen Fahrzeuge und die Tramwagen endgültig durch einen elektirschen Triebwagen ersetzt.